die apokalyptischen tänzerin*nen

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Offenlegen, was verborgen ist

Weltuntergang, Endzeit, Chaos: All das schwingt vermutlich in den Köpfen vieler Menschen mit, wenn sie den Namen die apokalyptischen tänzerin*nen zum ersten Mal hören. Das Stuttgarter Performancekollektiv interessiert sich jedoch weniger für das Ende der Welt als für das Sichtbarmachen verborgener Strukturen. Denn das altgriechische Wort „Apokalypse“ bedeutet ursprünglich nicht Weltuntergang, sondern „Enthüllung“ oder „Entschleierung“. Genau dort setzen die apokalyptischen Tänzer*innen an und erforschen mit den Mitteln der Darstellenden Kunst gesellschaftliche, politische und körperliche Dynamiken. Was sie erreichen wollen, formulieren sie selbst so: Kunst, die offenlegt, was verborgen ist.

Seit 2017 realisiert das Kollektiv gemeinsam Projekte. Besonders wichtig ist ihnen die Offenheit ihrer Arbeitsweise. Gefragt nach dem Besonderen ihrer Kunst antworten sie, dass sie „bei jedem Stück unsere Mittel und unsere Herangehensweise dem Thema und den Gegebenheiten anpassen“. Genau das zeigt sich auch in ihren Arbeiten. Jede Produktion entwickelt ihre eigene Form und ihren eigenen Zugang. Statt Wiederholungen entstehen immer neue ästhetische Räume, die sich dem jeweiligen Thema anpassen und unterschiedliche künstlerische Perspektiven miteinander verbinden.

Immer wieder arbeitet das Kollektiv auch mit Gästen und themenabhängigen Kooperationen. Anfang 2026 entstand so etwa das diskursive Format „Politiken des Lachens“, ein Podiumsgespräch rund um Humor, Politik und gesellschaftliche Dynamiken mit Gästen wie Stand-up-Comedian EXPERT BY IDENTITY aka Moritz Sauer, der Journalistin und Autorin Barbara B. Peter sowie dem Intendanten des Renitenztheaters, Roland Mahr.

Zwischen Humor, Körper und Offenlegung

Als Performancekollektiv interessieren sich die apokalyptischen tänzerin*nen besonders dafür, abstrakte oder entfernte Themen körperlich erfahrbar zu machen. Ihre Arbeiten verbinden politische Beobachtungen mit Humor und einer sinnlichen Bühnensprache. Die Herangehensweise beschreiben sie selbst als anti-didaktisch. Statt fertige Antworten zu liefern, schaffen sie Situationen, Bilder und Bewegungen, die das Publikum selbst entdecken und erleben kann.

Aktuell (Stand Mai 2026) arbeitet das Kollektiv an der neuen Produktion „Ha Ha Haltung“. Die Performance verbindet satirische Elemente mit Fragen nach Humor, Politik und gesellschaftlicher Haltung. Gemeinsam mit Überraschungsgästen sowie musikalischer Begleitung entsteht ein Abend zwischen Schenkelklopfern, diskursivem Humor und politischer Zuspitzung. „Es gibt nichts zu lachen, also lachen wir uns tot“, heißt es dazu in der Ankündigung der Performance.

Neue Perspektiven auf Theater und Zusammenarbeit

Zu den besonderen Erfahrungen der vergangenen Zeit gehört für die apokalyptischen tänzerin*nen auch die Zusammenarbeit mit dem Renitenztheater in Stuttgart. Durch einen Workshop zum Thema Barriereabbau lernte das Kollektiv den Leiter des Hauses kennen und entschied sich anschließend dazu, dort die neue Produktion „Ha Ha Haltung“ zu entwickeln. Dadurch entstand für die Gruppe auch ein neuer Blick auf Freie Darstellende Kunst aus der Perspektive eines Privattheaters.

Mitglied beim LaFT BW sind die apokalyptischen tänzerin*nen unter anderem, um mit anderen Künstler*innen im Austausch zu bleiben und die Interessenvertretung der Freien Darstellenden Künste zu stärken. Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist ihnen die „angenehme Stimmung und die Lust an Veränderung“ bei der letzten Vollversammlung.

Wünsche an die Freie Szene

Für die Zukunft wünschen sich die apokalyptischen tänzerin*nen eine Freie Szene, die nicht dauerhaft unter prekären Bedingungen arbeiten muss, sondern als wichtiger Teil der Kulturlandschaft wahrgenommen wird. Dazu gehört für sie auch eine nachhaltige und verlässliche Kulturförderung sowie eine stärkere politische Vertretung der Freien Szene.