Theater La Lune
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„Ich wollte einen Ort schaffen, wo man sich begegnen und miteinander essen kann.“
Dieser Wunsch stand am Anfang des Theater La Lune in Stuttgart. Und tatsächlich begann die Geschichte des Hauses nicht mit einer Bühne, sondern mit einem gedeckten Tisch. Erst wurde gekocht, später kamen Theater, Konzerte, Lesungen und andere Kulturformate dazu. Bis heute gehört diese Verbindung von Kunst, Kulinarik und Begegnung zum Herzstück des Theater La Lune.
Dabei ist das gemeinsame Essen weit mehr als ein schöner Rahmen. Zu jeder Abendveranstaltung gehört eine eigens ausgewählte Suppe, die sich an der jeweiligen Produktion orientiert. Thema, Herkunft oder Kulturraum eines Stücks fließen ebenso in die Auswahl ein wie saisonale Zutaten und regionale Produkte vom Markt. Julianna Herzberg beschäftigt sich deshalb lange im Voraus mit ihrem Spielplan und den dazu passenden Gerichten. Auf Reisen hat sie Rezepte aus aller Welt gesammelt und verfügt heute über mehr als zweihundert davon. Serviert werden keine leichten Vorsuppen, sondern gehaltvolle Mahlzeiten, in denen auf ihre Art ebenso viel Inhalt steckt wie in den dazugehörigen Produktionen. Essen und Theater bilden im La Lune keine zwei getrennten Angebote, sondern gehören untrennbar zusammen.
Im Theater La Lune kommen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen und Lebensrealitäten zusammen, essen gemeinsam und erleben Kultur als etwas Verbindendes. Die Wohnzimmer-Atmosphäre des Hauses ist dabei ebenso Teil des Konzepts wie die Überzeugung, dass Kunst Menschen miteinander ins Gespräch bringen kann.
Zwischen Kulturen und Perspektiven
Die deutsch-französische Prägung des Hauses ist eng mit der Biografie von Gründerin und Leiterin Julianna Herzberg verbunden. Als Halbfranzösin studierte sie in Avignon und fühlt sich bis heute dem Théâtre du Soleil in Paris verbunden. Der Name Theater La Lune ist eine liebevolle Anspielung auf dieses berühmte Vorbild. Doch Interkulturalität bedeutet für das Haus weit mehr als den Austausch zwischen Deutschland und Frankreich.
Immer wieder entstehen Produktionen und Kooperationen, die unterschiedliche kulturelle Perspektiven miteinander verbinden. Orientalische Musik findet ebenso ihren Platz wie internationale Literatur und Lyrik.
Bühne frei für die Freie Szene
Dass Offenheit im Theater La Lune nicht bei den eigenen und selbst ausgewählten Produktionen endet, zeigt die Open Lune Stage. Einmal im Monat öffnet das Haus seine Bühne für professionelle Freie Künstler*innen aus der Region und bietet Raum für Experimente, neue Ideen und ungewöhnliche Formate. Die Nachfrage ist so groß, dass das Format bereits lange im Voraus ausgebucht ist.
Besonders ist dabei nicht nur die unkomplizierte Teilnahme, sondern auch die Haltung dahinter. Die Künstler*innen zahlen nichts für ihren Auftritt, sondern werden wie die Mitwirkenden des regulären Programms an den Einnahmen beteiligt. Für Julianna Herzberg ist das selbstverständlich. Die Open Lune Stage soll kein Angebot zweiter Klasse sein, sondern ein Ort, an dem künstlerische Vielfalt die gleiche Wertschätzung erfährt wie jede andere Produktion des Hauses. Und nicht selten werden dort Künstler*innen entdeckt, die später erneut ins Theater La Lune zurückkehren.
Gemeinsam statt nebeneinander
Diese Offenheit prägt auch den Blick des Theater La Lune auf die Freie Szene insgesamt. Kooperationen, gegenseitige Unterstützung und das Nutzen gemeinsamer Synergien sind für Julianna Herzberg wichtige Zukunftsthemen. Auch deshalb engagiert sich das Theater im LaFT BW.
Gefragt nach den Beweggründen für die Mitgliedschaft, spricht Herzberg davon, gemeinsam etwas bewegen und mitgestalten zu wollen. Gerade in Zeiten großer Herausforderungen sei es wichtig, Kräfte zu bündeln und zusammenzustehen. Kunst entsteht schließlich nicht im Wettbewerb, sondern im Austausch.
Und genau darum scheint es im Theater La Lune immer wieder zu gehen: Menschen zusammenzubringen. Beim Essen und Erzählen, auf der Bühne und im Publikum, in Gesprächen nach einer Aufführung oder innerhalb der Freien Szene.